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Zensur in China und Schmutzputz in Frankreich

Juni 16, 2008

In Kooperation mit Spiegel-Online hat gmx.net am 13.6.2008 einen Artikel über das Ausmisten französischer „Schmutz-Websites“ veröffentlicht. Darin wird berichtet, dass Frankreichs Regierung und Internetdienstleister gemeinsam beschlossen haben, fortan Internetseiten zu sperren, welche Kinderpornografie, Terrorismus oder Rassenhass enthalten. Anscheinend wurde derselbe Plan bereits Tage zuvor ebenfalls in Amerika in ähnlicher Art und Weise umgesetzt. Ähnliche Web-Säuberungsaktionen wurden auch in Ländern wie Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen, Kanada und Neuseeland haben beschlossen.

 

„Der Schmutz-Putz soll über eine schwarze Liste abgewickelt werden, auf der sämtlicher Web-Mist verzeichnet wird, den französische Websurfer an die Regierung gemeldet haben.“ (Wieschowski, Französischer WWW-Schmutzputz: Alles muss raus“, 13.6.2008)

 

Die Praxis der Denunziation ist die gleiche wie in China. Interessant ist, dass in diesem Fall über Frankreichs Internetzensur neutral berichtet, diesselbe Praxis China aber negativ angelastet wird. China scheint im Zusammenhang mit Verletzungen der Menschenrechte und der rigorosen Zensur von vorherein und automatisch einen „Negativbonus“ zu haben. Ich persönlich finde die Zensur von „Cyber-Pädophilie“ sinnvoll, in Anbetracht der unzähligen Klicks auf Kinderpornos. Aber warum wird sie in Frankreich und anderen Ländern problemlos und ohne grosse Widersprüche durchgeführt, in China aber im Rahmen seines ganzen Zensurprogramms an den Pranger gestellt?

Auch rechtsextreme Websites und Inhalte haben extrem zugenommen und versuchen mit „Gestaltung im Web 2.0 Stil“ Jugendliche zu rekrutieren.

 

Durch die Verhandlungen mit den Internet-Providern und Betreibern von Seiten wie YouTube habe jugendschutz.net 2007 die Schließung von 80 Prozent der entdeckten unzulässigen Internetseiten erreicht.“ (web.de, „2007 so viele rechtsextreme Webseiten im Internet wie nie zuvor“, 6.6.2008)

 

Kann hier eine Zensur – in Anbetracht dessen, was uns die Geschichte aufzeigt – schlecht sein? Ganz nach dem Moto „wehret den Anfängen“ – wohl kaum.

 

„Bei Web-Puristen stoßen solche Trends auf heftige Kritik: Auch wenn es um solche guten Ziele geht, stelle die Sperrung von IP-Bereichen einen staatlichen Eingriff in den Informationsfluss dar und erhöhe das Risiko von Zensur.“ (Wieschowski, Französischer WWW-Schmutzputz: Alles muss raus“, 13.6.2008)

 

Was ist hier mit „und erhöhe das Risiko von Zensur“ gemeint? Es ist ganz klar eine Zensur. Sicher, die Grenzen, was zensiert werden sollte und was nicht, liegen in einer grossen Grauzone. Aber vielleicht sollte man hinter dem Begriff „Zensur“ nicht grundsätzlich Schlechtes sehen und das Ganze je nach Fall differenzierter angehen und beurteilen.

Ein Kommentar

  1. Ich würde diese nicht-chinesische Websäuberungsaktion auch eher als vorsichtig positiv einstufen. Offenbar geht es hier ja nicht darum, der französischen Bevölkerung gezielt staatskritische oder politische Informationen vorzuenthalten – dies wäre in Frankreich auch nicht möglich, da das französische Volk weit weniger genügsam mit umfassender Zensur umgehen würde als das chinesische.

    Bedenklich finde ich allerdings, dass diese ’schwarze Liste’ auf Meldungen von französischen Web-Usern beruhen soll. Jeder Mensch hat persönliche Definitionen für die Grenzen von Grauzonen, und ohne einheitliche, strikte Regeln kann da schnell Verwirrung herrschen. Es gab ja auch schon z.B. einen Fall in der Schweiz, wo eine Informationsseite zu Homosexualität als Pornografie eingestuft und von Schulen blockiert wurde. Und wie soll Rassismus eingestuft werden? Soll Satire, wie im Fall der dänischen Mohammed-Karikaturen, als rassistisch bewertet werden?

    Ein guter Grundgedanke, wie gut die Umsetzung funktioniert, muss sich aber erst noch zeigen.



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