Archiv für Mai 2008

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Interview mit einer jungen Chinesin, Teil 2

Mai 22, 2008

Ist dir auch schon passiert, dass du Websites angeklickt hast, welche zensiert wurden? Welche

Suchbegriffe oder Themen wurden gesperrt?

Bei Google gibt es manchmal unter „weitere Informationen“ keine weiteren Informationen mehr, oder es gibt gar keine Verbindung. Vor allem, was gegen den Kommunismus oder allgemein über Politik berichtet oder pornografisch ist, wird zensiert.

 

Gibt es Begriffe oder Themen, bei welchen schon zum Voraus klar ist, dass sie zensiert werden?

Z.B. Falung gong oder Dalai Lama.

 

Wie wurde in den Medien darüber berichtet, als Google  und Yahoo! in China Fuss fassten?

Das weiss ich nicht genau. Aber Google und Yahoo! sind sehr bekannt in China, vor allem für die Informationssuche. Baidu ist eine „lokale“ Suchmaschine, bei welcher du chinesische Informationen und Nachrichten bekommst. Für internationale Informationen finde ich Google besser.

 

Ist der Bevölkerung Chinas bewusst, dass Google und Yahoo! ihre Websites im Sinne der chinesischen Regierung zensiert?

Ich glaube die Leute wissen, dass die Informationen bei Google und Yahoo! zensiert sind.

 

Wurde in China auch schon einmal etwas über die Medien propagiert, was sich nachher als falsch

erwiesen  hat? Wenn ja, wie reagiert danach die Öffentlichkeit?

Ich glaube es gibt viel. Aber es gibt ein interessantes Beispiel dafür. Letztes Jahr wurde von offizieller Seite berichtet, dass in einem Ort ein bekannter als ausgestorben geglaubter Tiger von einem Bauern fotografiert wurde. Daraufhin haben viele Leute anhand des Fotos im Internet gesagt, das sei eine Lüge, das Foto sei gestellt/ gefälscht und es könne nicht sein, dass ein solcher Tiger gefunden wurde. Viele Leute reklamierten und waren verärgert oder sogar wütend, sie wollen eine Antwort, die Wahrheit. Aber seit einem halben Jahr gibt es von offizieller Seite kein Kommentar.

 

Wie wird Kritik und/ oder andere Sichtweisen von Auslands-Chinesen in China selber aufgenommen? Wie viel wird davon in China überhaupt publik?

Ich glaube, die meisten Chinesen zählen diese Auslandchinesen nicht mehr zu den „richtigen“ Chinesen. Sie denken, sie arbeiten für andere (chinafeindliche?) Gruppen oder sie seinen dafür bezahlt worden. Sie sind ihnen nicht mehr freundschaftlich gesinnt. Ich glaube, auch ich werde schon nicht mehr als „echte“ Chinesin angesehen.

 

Zeichnen sich in China im Rahmen der olympischen Spiele Freiräume oder eine Lockerung der

Zensur ab?

Ich glaube, ein wenig wird die Zensur gelockert, aber das meiste wird gleich bleiben. Ich glaube nicht an eine Lockerung oder grosse Veränderung im Zusammenhang mit den olympischen Spielen.

 

Seit wann bist du in Deutschland/ Europa?

Seit Juli 2007.

 

Wie oft und in welcher Art hast du Kontakt nach China?

Jede Woche spreche ich mit meiner Mutter in einem Chatroom. Auch mit Webkamera, damit sie ihre Enkelin, die sie in Wirklichkeit noch nie gesehen hat, wenigstens auf diese Weise sehen kann. Ich hoffe, sie kann uns nächsten Herbst besuchen. Aber durch die momentane politische Situation ist die Ausreise sehr schwierig.

 

Gibt es jetzt, da du beide „Welten“ kennst, auch andere Sichtweisen für dich?

Ja natürlich. In Deutschland habe ich mehr Informationen und höre auch viele andere Stimmen – dafür und dagegen. So überlegt man sich mehr, was richtig und was falsch ist. Wir bilden so unsere Meinung. Wir richten unser Gehör nicht nur nach China, aber auch nicht nur nach Westen.

 

Was hast du beruflich in China gemacht?

Ich habe im Pilz-Import und –Export gearbeitet.

 

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Interview mit einer jungen Chinesin, Teil 1

Mai 19, 2008

Am 24. April habe ich ein Interview mit einer 24-jährigen Chinesin geführt, um Informationen zum Thema und ihre Sicht der Dinge zu erhalten. Entgegen gewisser Bedenken habe ich eine sehr offene und dem eigenen Land gegenüber kritische Chinesin getroffen, welche sofort für ein Gespräch bereit war. Auch war sie einverstanden, das Gespräch aufzuzeichnen.

Empfangen hat sie mich mit einem guten echt chinesischen Essen und einem Laptop mit W-Lan.

 

Nachfolgend gebe ich die Fragen und ihre Antworten wieder. Manchmal wurden die Fragen nicht ganz genau oder nur teilweise beantwortet.

 

Wie kommuniziert die chinesische Regierung, was, wie und warum sie zensiert?

Die Regierung informiert diesbezüglich die Bevölkerung nicht. Aber das Volk weiss sehr wohl, dass zensiert wird.  

Ich denke, die Regierung will die Leute unwissend halten, so sind sie besser kontrollierbar. Sie will die totale Kontrolle. Ich finde vieles, was die Regierung macht, nicht richtig.

 

Werden auch die Konsequenzen bei Zuwiderhandlung klar kommuniziert? Wenn ja, wie?

Die Konsequenzen sind nicht klar. Aber man bekommt mit, dass immer wieder Menschen von der Polizei abgeholt werden. Was weiter passiert, erfährt man nicht.

 

Sind Begriffe wie „Great Firewall of China” oder “The Golden  Shield Project” in China geläufig? (… dass man darunter verschiedene Systeme zur staatlichen Internetkontrolle versteht?)

Die Begriffe „Great Firewall of China“ oder „The Golden Shield Project“ habe ich noch nie gehört. (Anmerkung: sie informiert sich sofort per Internet und notiert sich die Begriffe)

 

Wie empfindest du/ das chinesische Volk die Zensur im eigenen Land? Was denkst du darüber?

Ich persönlich finde es sehr dumm und überhaupt nicht gut. Und ich habe auch im Internet bei BBS (www.dolc.de) gesehen, dass viele Leute dagegen sind. (Anmerkung: BBS bzw. www.dolc.de ist eine Art „deutscher“ Chatraum, in welchem sich viele Auslandchinesen austauschen. In China ist diese Seite gesperrt).

 

Ich denke, dass in China etwa 80 % der Bevölkerung die Zensur oder Meinungsfreiheit egal ist, vor allem der älteren Bevölkerung. Es wird nicht viel darüber nachgedacht. Jeder kümmert sich um sein eigenes Leben.

Gegen die Zensur sind vor allem junge Leute und Studierte. Sie wollen andere Meinungen – auch aus dem Ausland – hören, auch wenn sie sich nicht mit der eigenen decken.

 

Wird in der Bevölkerung (privat) darüber gesprochen und wenn ja, in welcher Art?

Ich glaube, dass manche jungen Leute dagegen sind und z.B. bei BBS darüber sprechen. Aber vielen Leuten ist es auch egal.

 

Kennst du Personen, welche die Zensur – vor allem im Internet – umgehen? Wenn ja, wie?

Ja, ich habe von einer Person gehört, welche die Zensur umgeht. Aber ich weiss nicht, wie sie das macht.

 

Kennst du Personen, die deswegen mit dem Gesetz  in Konflikt kamen?

Wenn ja, wie, wann, mit welchen Folgen?

Ich habe gehört, dass jemand wegen Umgehen der Zensur zur Polizei musste. Aber was danach passiert, weiss niemand genau.

 

Merkst du in der Zensur Unterschiede zwischen Nachrichten, Zeitung, Fernsehen, Radio oder Internet?

Bei den „alten“ Medien ist es sehr einfach, die Zensur zu betreiben. Beim Internet ist es sehr schwer. Es gibt genug technisch versierte Leute, die die Zensur umgehen können. Im Internet sind es zu viele Informationen, um alles kontrollieren zu können.

 

Hast du schon ein Internet-Café in China besucht? Wenn ja, wie läuft das für den Benutzer ab?

Ja, ich war schon sehr oft in einem Internet-Café. Man muss seine ID zeigen. Aber ich habe auch gehört, dass es manchmal nicht so streng gehandhabt wird und dass manche Leute, die ihre ID nicht dabei haben, auch so das Café benutzen dürfen oder eine falsche ID-Nummer aufgeschrieben wird. Es gibt auch Unterschiede, ob das Café in einer grossen Stadt oder eher auf dem Land ist. In grösseren Städten wird eher kontrolliert als in kleineren.

 

Welche Regeln/ Bestimmungen/ Verbote gelten in chinesischen Internet-Cafés?

Personen unter 18 Jahren dürfen das Internet-Café vor allem abends nicht benutzen. Es gibt Plakate mit den Regeln an den Wänden, aber ich glaube, die wenigsten beachten sie.

Was Websites anbelangt, so sind zum Beispiel pornografische verboten.

 

Was passiert, wenn man diese  doch anschaut?

Nichts.

 

 

Der zweite Teil des Interviews folgt im nächsten Blog.

 

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Chinas Zensur im Internet

Mai 12, 2008

Nach Wikipedia versteht man allgemein unter Zensur im Internet verschiedene Verfahren, welche dazu dienen, „die Publikation von bestimmten Inhalten im Web zu kontrollieren, zu unterdrücken oder im eigenen Sinn zu steuern.“ (Wikipedia, Zensur im Internet, 2008 ) Diese kann von Staaten oder von nichtstaatlichen Gruppen vorgenommen werden. Zensiert werden vor allem Websites und Blogs mit Nachrichten und Meinungsäusserungen, die je nach Zensurkriterium politische, regime-kritische, religiöse oder erotische Inhalte haben.

In China werden alle oben erwähnten Inhalte blockiert. China ist bekannt für seine starke Internetzensur und -überwachung. Dies versucht der kommunistische Staat mit verschiedenen Mitteln durchzusetzen.

 

So ist – je nach Quelle – unter anderem von ca. 30′000 bis 50′000 Cyberpolizisten die Rede, welche den ganzen Tag nichts anderes tun, als das Netz nach „verbotenen“ Inhalten und deren Nutzer bzw. Erzeuger zu durchforsten. Wem ein Verstoss nachgewiesen werden kann, wer mehr Rechte, Demokratie oder Menschenrechte fordert, muss mit Gefängnis oder Schlimmerem rechnen (angesichts der immer noch unterhaltenen Konzentrationslager und der weltweit höchsten Rate vollstreckter Todesurteile sicherlich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen).

 

Weiter werden unerwünschte Inhalte blockiert (the Great Firewall of China) bzw. gefiltert. Suchmaschinen wie Google oder Yahoo! haben sich dazu verpflichtet, nach Regeln der chinesischen Regierung zu zensieren, was ihnen weltweit grosse Kritik eingebracht hat. Google allerdings hat zur Bedingung gemacht, dass für den Nutzer klar ersichtlich ist, welche Seiten zensiert werden und welche nicht. Das chinesische Pendant zu Wikipedia namens Baidu Baike wird ebenfalls zensiert. So werden zum Beispiel Ergebnisse zu Begriffen wie Unabhängigkeit, Opposition, Tibet, Dalai Lama und auch Taiwan blockiert, jegliche Symbole oder die Nationalhymne Taiwans verboten (Taiwan-Konflikt)

 

Auch die Internet-Cafés unterliegen einer starken Kontrolle. So muss am Eingang eine ID-Nummer hinterlegt werden. Überwachungsprogramme werden installiert, Blogs und Diskussionsforen kontrolliert, die Bildschirme mit Videokameras überwacht und alle Eingaben aufgezeichnet. (vgl. Wikipedia: Netzkultur in China, 2008 )